Ostern: Traditionen im Norden

Das schönste Fest im Frühling heißt in den nordischen Ländern påsk (Schweden), påske (Dänemark und Norwegen) und pääsiäinen (Finnland). Diese Bezeichnung ist in allen Fällen vom hebräischen Pessach-Fest abgeleitet. 
Auch wenn sich der Name von unserem Ostern unterscheidet, so ist das Fest im Norden grundsätzlich doch ziemlich ähnlich zu unseren Feierlichkeiten, oder etwa nicht? 

Auch im Norden ist es ein Frühlings-Fest, das zwar deutlich christlich geprägt ist, aber immer mehr säkularisiert wird. Ein Fest, bei dem wir die Natur und deren Erwachen nach dem Winter feiern und bei dem alle fleißig Eier essen. 
Aber ein paar Unterschiede gibt es doch: Was genau hat es mit Hexen, Krimis und Oster-Narren auf sich?
Oh, und wer bringt eigentlich die Oster-Eier? 

Tradition in Skandinavien: Der Osterhahn bringt die Ostereier.  Im Norden bastelt man gerne Osterküken und dekoriert dann damit.  Bringen im Norden die Ostereier: Osterhahn und Osterküken.  

Alles rund ums Ei

Die wichtigste Frage vorneweg: Wer bringt im Norden die Oster-Eier?
Der Osterhase ist es tatsächlich nicht. Der ist nur in Dänemark bekannt und das auch erst seit dem 20. Jahrhundert.
Ansonsten übernimmt im Norden ein Familien-Mitglied der Hühner diese Aufgabe. Und zwar entweder der Hahn oder direkt die Küken selbst. 
Oster-Eier werden viel gegessen, aber die Tradition, sie auszublasen und zu färben, ist im Norden wenig verbreitet.
Man isst viele Eier zum Osterfest selbst, und vor allem in Dänemark und Schweden sind Papp-Eier als Verpackung verbreitet. Für kleine Geschenke, aber vor allem für lose Süßigkeiten, wie man sie in jedem Supermarkt selbst zusammen stellen kann. Sie übernehmen die Funktion unserer Oster-Nester. 

Die Lösgodis, wie die losen Bonbons, Fruchtgummi, Lakritze, Schaumzucker-Waren, Schokotaler, Fruchtgummis, Lakritztotenköpfe, Toffeebonbons, Colaflaschen und süßsaure Würmer in Schweden heißen, werden dann nicht wie sonst üblich in Papiertüten, sondern in diesen Papp-Eiern verkauft. Sehr beliebt! 

Nordische Ostern: Dekoration und Symbole

Alle holen sich den Frühling und die Natur in die Häuser und Wohnungen.
Man stellt Birken- oder Weidenzweige in Vasen, an denen bunte Federn angebracht sind. Die finden sich zahlreich in den Wochen vor Ostern in Blumenläden oder man sammelt die Zweige selbst und schmückt sie dann mit gebastelten Feder-Büscheln. 
Die Federn symbolisieren das Leiden von Jesus, denn früher peitschte man sich gegenseitig mit den Zweigen, um sich zu necken.
Man findet im Norden viele Blumen, Eier (vor allem die genannten Papp-Eier, die gerne mit Ostergras und vielen losen Süßigkeiten gefüllt werden), Federn, vereinzelt Hasen und: ganz viele Küken. Die werden gerne selbst gebastelt und sind dann etwa aus Holz, Ton oder Federn und erinnern daran, wer im Norden die Eier bringt. 

In Dänemark ist nicht wie bei uns die Osterglocke ein Symbol für Ostern, sondern das Schneeglöckchen. Im Norden kommt der Frühling einfach später. 

Im Norden ist es Tradition, mit Federn an Ostern zu schmücken.  In Finnland und Dänemark ist es Brauch, an Ostern mit Birken und Weiden Zweigen zu dekorieren, an denen bunte Federn befestigt sind.  In Schweden dekoriert man mit Federn an Ostern.

Das Festmahl zu Ostern 

Bis ins 19. Jahrhundert und zur Industrialisierung waren nach dem langen Winter im Frühjahr kaum frische Lebensmittel mehr übrig und so gab es lange Zeit traditionell eingelegtes Gemüse und viel Fisch an Ostern zu essen. Inzwischen wird aber an Ostern reichlich und lange im Kreise der Liebsten gegessen:
Wie an Weihnachten auch, gibt es ein Buffet oder verschiedene Gerichte und alle können sich nehmen, worauf sie Lust haben. Das ganze natürlich saisonal angepasst, aber typisch sind etwa Fisch wie eingelegter Hering oder Lachs in allen Zubereitungsformen, Käse, Eier und Eiersalate, Kresse, Leber-Pastete, verschiedene Aufläufe oder Salate und seit ein paar Jahrzehnten gibt es auch Lamm. Dazu viel Schnaps, gerne mit entsprechenden Trink-Liedern. 

Ein paar regionale Unterschiede gibt es dann aber doch: In Dänemark wird das Essen gerne als offenes Sandwich auf Roggenbrot als Smørrebrød serviert, in Schweden kann man Osterschinken essen. Dort werden auch sehr viele Lösgodis gegessen. In Finnland gibt es finnischen Roggenpudding, der Mämmi heißt und mit Sahne und Zucker sehr lecker schmecken soll.
In Dänemark und Schweden gibt es extra Oster-Bier, das mehr Alkohol enthält und schmackhafter ist - in Dänemark haben die Dosen und Flaschen gerne österliche Motive. 
Die alkoholfreie Variante Påskmust gibt es in Schweden. Wie auch Julmust handelt es sich hierbei um eine dunkelbraune Limonade mit Gewürzen, Malz und Hopfenextrakt, ein bisschen wie eine Mischung aus Limonade und Malzbier. 

Zeit in der Natur: Ferienhäuser und Ski-Urlaub

Viele Familien aus dem Norden zieht es um Ostern das erste Mal nach dem Winter in ihre Sommer- bzw. Ferien-Häuser. Manche Städte erscheinen wie ausgestorben. 
Wer ein Sommer-Haus besitzt, macht das wieder fit, wer ein Boot besitzt, lässt das zum ersten Mal zu Wasser. Alle anderen (so viele bleiben da nicht mehr übrig) genießen möglichst viel Zeit in der Natur. 
In Finnland, Norwegen und im Westen Schwedens geht man tatsächlich gerne in den Ski-Urlaub, denn zumindest in den Bergen ist es noch kalt und liegt Schnee, während die Tage bereits länger und sonniger werden. 

Sehr beliebt sind öffentliche Grill-Stellen in den Bergen in Norwegen und Schweden. In vielen Ski-Resorts gibt es offene Grill-Stellen, wo man eigene mitgebrachte Brötchen und Würstchen grillen und eine Pause machen kann. Ein Oster-Barbeque!

Wenn es im Süden Norwegens nicht mehr genug Schnee zum Ski-Fahren gibt, geht man dort aber auch gerne der 2. großen Passion aller Norwegerinnen und Norweger nach, dem Wandern. 

Fast schon ein Brauch: An Ostern gehen viele Menschen in Norwegen und Schweden Ski Fahren.  In Norwegen liest man traditionell an Ostern Krimi, den so genannten påskekrimme.  In Schweden und Norwegen üblich: Ein letztes Mal Ski Fahren an Ostern.

Tradition: Oster-Krimi

In Norwegen spielen Oster-Krimis, Påskekrimmen, eine wichtige Rolle: Um eine gemütliche Lektüre während des Ski-Urlaubs oder auf der Hütte zu haben, kaufen alle Lesewütigen kurz vor Ostern Krimis. Die Verkäufe von Krimis steigen in dieser Zeit in Norwegen um ein 6-faches, denn alle wollen über Ostern lesen.
Das geht so weit, dass sogar auch Milchkartone kleine Oster-Krimis abgedruckt sind! 

Tradition: Oster-Hexen

Besonders in Schweden und Finnland ist ein Heischebrauch verbreitet. Bei einem Heischebrauch bittet man im Gegenzug für einen Spruch oder kleine Inszenierung um Süßigkeiten oder ein paar Münzen, etwa wie die Sternsinger im Januar oder wie Kinder an Halloween.
Zu Ostern verkleiden sich Kinder mit Kopftuch, rot geschminkten Wangen und Sommersprossen, Schürze und Körbchen als Hexen und ziehen um die Häuser. 

In Schweden heißen die Hexen Påskkärring und die Kinder ziehen in Ostschweden am Gründonnerstag, in Westschweden an Karsamstag durch die Straßen und bitten um Süßigkeiten. Im Gegenzug geben sie selbst gemalte Bilder und Ostergrüße aus. In Westschweden ist dieser Brauch seit den 1850ern belegt und verbreitete sich von dort aus im ganzen Land.
In Finnland ziehen die kleinen Hexen und Hexer schon am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, von Haus zu Haus und singen oder sagen einen solchen Spruch auf:

Virvon, varvon, tuoreeks terveeks, tulevaks vuodeks; vitsa sulle, palkka mulle!
(Ich wünsche dir Gesundheit, ich wünsche dir ein frisches, gesundes neues Jahr; ein Zweig für dich, eine Belohnung für mich!)

Dieser Spruch garantiert für eine kleine Gegenleistung wie Süßigkeiten, Ostereier oder ein paar Münzen Gesundheit. 

Die Tradition wird sehr ernst genommen und geht auf die landwirtschaftlichen Wurzeln der beiden Länder zurück. Im Volksglauben konnten Hexen für ein fruchtbares Jahr sorgen oder eben die Böden verfluchen. 
Der Sage nach fliegen die Hexen am Gründonnerstag in den Süden, nach Deutschland auf den Berg Blåkulla (der eine vergleichbare Symbolik besitzt wie für uns der Brocken im Harz). Dort feiern sie ein großes Fest und kehren am Karsamstag zurück nach Schweden.

Oster-Hexen gibt es in Norwegen und Dänemark nicht. 

In Schweden und Finnland Tradition: Kinder verkleiden sich als Hexen und sammeln Süßigkeiten gegen Oster-Grüße  In der Osterzeit verkleiden sich in Finnland und Schweden Kinder als Hexen und Zauberer und sammeln Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt in Schweden påskkärring.  In der Osterzeit sieht man in Finnland und Schweden überall kleine Hexen, die Süßigkeiten samnmeln.

Tradition: Oster-Briefe

In Dänemark bastelt man zu Ostern gækkebreve, so genannte Narren-Briefe. Dabei werden Papierseiten gefaltet und kunstvoll ausgeschnitten, sodass wunderschöne Muster entstehen. In den Brief schreibt man einen Reim, etwa:

Mit navn det star med prikker, pas på de ikke stikker.
(Mein Name ist mit Punkten geschrieben, pass auf dass sie nicht an dir kleben bleiben.)

Und unterschreibt dann nicht mit seinem Namen, sondern setzt für jeden Buchstaben des eigenen Namens einen Punkt. Torben würde etwa mit 6 Punkten unterschreiben.
Errät der Empfänger oder die Empfängerin des Briefes, wer den Brief abgesendet hat, ist dieser ein gæk und schuldet dem Empfänger oder der Empfängerin ein Osterei. Wird der Absender oder die Absenderin nicht erraten, ist der Empfänger oder die Empfängerin ein gæk schuldet der Person ein Osterei. Wie praktisch, dass Großeltern nie erraten, wer ihnen Briefe schreibt und Kinder so reichlich Schoko-Eier sammeln können! 

Tradition: Oster-Feuer und -Feuerwerk

Im Südwesten von Schweden sind Oster-Feuer und Oster-Feuerwerk verbreitet. Eingeführt wurden sie im 19. Jahrhundert von niederländischen Händlern in Göteborg, doch wurde der Brauch schnell den regionalen Vorstellungen angepasst:
Die Feuer werden in der Nacht vom Karsamstag auf Ostersonntag entzündet und sollen die Hexen, die vom Berg Blåkulla zurück kehren, verjagen. 

Im Westen von Schweden ist es Brauch, ein Osterfeuer zu entzünden und damit die Hexen fern zu halten.  In Finnland und Schweden ist es Brauch, an Ostern Ski-Urlaub zu machen und ein Oster-Barbeque an öffentlichen Feuerstellen zu halten   In Westschweden lässt man es am Karsamstag mit einem Oster-Feuerwerk krachen. Das soll der Sage nach die Hexen vertreiben.

 Ostern ist im Norden ein Fest zwischen christlicher Tradition, alten Sagen und der Freude über den Frühling.
Und wenn Sie über die Feiertage dort unterwegs sind, wissen Sie jetzt, warum Ihnen Papp-Eier, Krimis auf Milchkartons oder grillende Skifahrer begegnen könnten.

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Oster-Zeit und schöne Feiertage! 


Quellen:

https://www.scandikitchen.co.uk/how-to-celebrate-easter-like-a-scandinavian/

https://visitsweden.de/aktivitaten/kultur-geschichte-und-kunst/schwedische-traditionen/ostern-in-schweden/

https://www.schweden.net/ostern

https://www.visitfinland.com/de/artikel/traditionelle-finnische-feierlichkeiten-und-feste/

https://www.visitdenmark.de/daenemark/inspiration/jahreszeiten/ostern

https://www.visitdenmark.de/daenemark/erlebnisse/traditionen-lifestyle/daenische-festivitaeten